Wilhelm Schmid: Vom Glück der Freundschaft – Zusammenfassung

Wilhelm Schmid „Vom Glück der Freundschaft“ ist ein hübsches Büchlein – etwas kleiner als eine Postkarte und etwas so dick eine Schokolade. Es sind nur 95 Seiten, doch der Inhalt ist klasse.

Die größte Stärke des Buches: Es beschreibt das innige Gefühl der Freundschaft.

Kaum ein anderer Autor, vor allem die wissenschaftlichen, hat sich bisher so gut an das Gefühl der Freundschaft herangeschrieben wie Wilhelm Schmid.

Deshalb findest Du in diesem Blogartikel eine solide Zusammenfassung und die interessantesten Zitate.

Das Büchlein eignet sich als Geschenk für Freunde, als kleine Lektüre für das Gästezimmer und natürlich, um selbst über Freundschaft zu lesen.

Björn Thorsten Leimbach - Männlichkeit Leben - Männerfreundschaften - Foto: Quino al Ce @unsplash.com
Freundschaft - eines der schönsten Gefühle. Foto: Kenneth Schipper Vera auf unsplash.com (bearbeitet)

🎁 Das Buch als Geschenk

Ich finde das Büchlein von Wilhelm Schmid wunderbar als Geschenk – als liebevolles Zeichen der Freundschaft, oder, um dem Beschenkten etwas über die wertvollste Sache der Welt mitzugeben: Freundschaft.

Das Buch ist wirklich “nur” ein kleines Büchlein, in einem malerischen Einband.

Weil das Buch so klein ist, ist es weniger als Hauptgeschenk geeignet, sondern eher ein kleines Mitbringsel oder als eine sehr schöne “philosophische” Beigabe zu einem größeren Geschenk. Du kannst es kombinieren zu Pralinen, einer Flasche Crémant, einem Kasten Bier oder einem Gummiboot (für einen abenteuerlichen Ausflug unter Freunden 😉).

Du kannst Wilhelm Schmid – Vom Glück der Freundschaft auf Amazon bestellen (WerbungA).

Auf der Rückkehr von einer unserer Wanderungen. Blick vom Schwedter Steg auf die untergehende Sonne hinter dem Bahnhof Gesundbrunnen. Bild: Georg Preller
Die Freude der Freundschaft. Foto: Logan Weaver auf unsplash.com (bearbeitet)

🤵🏼 Der Autor: Wilhelm Schmid

Mit Wilhelm Schmid verbindet mich, dass er ebenso wie ich in Berlin wohnt. Außerdem ist er Professor an der Universität Erfurt, die Stadt, in welcher ich aufgewachsen bin. Zufall? Wer weiß.

Wilhelm Schmid hat einen bewegten Lebenslauf. Zunächst war er Schriftsetzer und später bei der Bundeswehr. Erst mit 27 Jahren begann er ein Studium der Philosophie und Geschichte. Mittlerweile ist er Professor. Über die Jahrzehnte entwickelte er ein „Konzept der Lebenskunst“, in welches dieses Büchlein eingebettet ist.

Noch heute gibt Wilhelm Schmid Lesungen aus seinen Büchern.

Bücher über Freundschaft. Ein Mann liest ein Buch im Wasser. Foto: Toa Haftiba auf unsplash.com (bearbeitet)

Gute Bücher über Freundschaft

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Hier bekommst Du eine kuratierte Liste der besten Bücher über Freundschaft – als Geschenk oder um mehr über Freundschaft zu erfahren.

📊 5 Arten der Freundschaft

Wilhelm Schmid unterscheidet – ebenso wie Aristoteles – in die 3 Arten der Freundschaft: Die Lustfreundschaft, die Nutzenfreundschaft und die wahre Freundschaft.

Ergänzen tut Wilhelm Schmid er zwei weitere Arten der Freundschaft: die virtuelle Freundschaft und die Selbstfreundschaft.

Die Lustfreundschaft

Hier geht es um den Spaß, um die Laune, um die guten Zeiten.

Was wäre die Freundschaft ohne den Spaß? Na also!

Überhaupt ist der Spaß ein wesentlicher Grund, Freunde zu haben: interessante Gespräche, gute Witze, tolle Unternehmungen, angenehmes Beisammensein. Geteilte Freunde ist doppelte Freunde. Yeah!

Gerade Kinder und Jugendliche werden auf diese Weise Freunde: „Willst Du mit mir spielen?“

Das Angenehme, die Lust und der Spaß sind hoffentlich immer ein Teil der Freundschaft.

Der einzige Wermutstropfen: Wenn die Freundschaft nur aus Spaß besteht – und keine Tiefe findet – dann löst sich auf, sobald der Spaß vorbei ist. Oder zumindest pausiert sie, bis der nächste Spaß beginnt.

Wahre Freundschaft braucht mehr als “nur” den Spaß. Aber sie braucht auch den Spaß.

Außerdem spricht viele dafür, einige solche Freundschaften in seinem Leben zu haben, die vielleicht nur aus Spaß bestehen. Schließlich soll das Leben Spaß machen.

Die Nutzenfreundschaft

Die Nutzenfreundschaft besteht, weil zwei Menschen einen Nutzen aus ihrer Verbindung erwarten.

Geschäftsfreunde, Netzwerke oder andere Personen, die miteinander „befreundet“ sind, weil sie sich einen „positiven Outcome“ davon erwarten: Kontakte, Zusammenhalt, Geschäfte, etwas lernen, Zugang zu Ressourcen, politischer Einfluss, soziale Geltung, Ansehen oder Zugang zu Informationen.

Ein Nutzen kann auch sein: Sich nicht allein zu fühlen.

„Nutzenfreunde versuchen in der Regel ein weitergehendes, echtes Interesse aneinander zu bekunden, schon aus Gründen des größtmöglichen Nutzens, denn wenn der jeweils Andere sich einfach nur benutzt fühlen würde, könnte es zu keiner nützlichen Beziehungen kommen“, schreibt Wilhelm Schmid. Klingt fast ein bisschen traurig.

Die Nutzenfreundschaft ist wahrscheinlich die Freundschaft, in welcher sich auch die „falschen Freunde“ wiederfinden – wenn einer aus der Beziehung mehr erwartet hat, als sie hergibt. Denn wenn der erhoffte Nutzen ausbleibt oder nicht mehr möglich ist, entfällt in vielen Fällen auch die Zuneigung.

Wahre Freundschaft fühlt sich anders an.

Wahre Freundschaft

Die wahre Freundschaft kann auch Spaß machen und nützlich sein. Doch vor allem besteht die Freundschaft, weil man den anderen mag und gern mit ihm zusammen ist.

Es ist die Persönlichkeit des Freundes, die der wahre Freund schätzt. Es ist die Freundin, die die wahre Freundin schätzt.

Die Verbindung wird von dem Wunsch getragen, „mit dem anderen durchs Leben zu gehen“, im räumlich-körperlichen Sinne, und vor allem im seelisch-geistigen Sinne – also verbunden mit Gefühlen, Gedanken und gemeinsamen Ideen. Ein magisches Band miteinander.

Die wahre Freundschaft ist eine dauerhafte, wechselseitige Zuwendung und Zuneigung.

Der wahre Freund oder die wahre Freundin haben einen festen Platz im Herzen. Der andere hat eine Stimme im Selbstgespräch, auch wenn er oder sie nicht da ist. Er oder sie hat Privilegien, die anderen Menschen nicht zugestanden werden. Der Freund hat das Wohl des Freundes im Blick, und gleichzeitig geht er davon aus, dass auch der Freund ihm stets wohlgesonnen ist. Beide können sich vertrauen, im Idealfall: Vollkommen vertrauen.

Wechselseitigkeit im Austausch – so wie bei der Nutzenfreundschaft – ist keine Notwendigkeit in der wahren Freundschaft, „denn im Laufe der Zeit gleicht sich ohnehin alles von selbst aus“. Echte Freunde können einige Zeit sogar eine Zumutung füreinander sein.

Solche Freunde kennen sich in der Regel so gut, und vertrauen so sehr, dass üble Nachrede einer solchen Freundschaft nicht viel anhaben kann, weil man eher dem Freund vertraut als allen anderen.

Der Aufbau und die Pflege einer solchen Freundschaft brauchen in der Regel viel Zeit.

Mein Anliegen mit Abenteuer Freundschaft ist, dass wahre Freundschaften durch Wissen und Übung möglich werden, und dass Du weißt, wie man solche Freundschaften anbahnt und gestaltet – für ein schönes und gutes Leben miteinander.

Virtuelle Freundschaften

Wilhelm Schmid schreibt über virtuelle Freundschaften, weil im virtuellen Raum oft von „Freunden“ gesprochen wird, obwohl es doch vielleicht nur Kontakte, bestenfalls Bekannte sind.

Bei den virtuellen Kontakten kann es sich natürlich um Lust- oder Nutzenfreundschaften handeln  – dass man miteinander Spaß hat oder nützlichen Austausch betreibt. Oder man fühlt sich Zwitschern des Onlinewald nicht mehr so allein.

Das Internet kann auch genutzt werden, um wahre Freundschaften zu pflegen. Oder sogar, um eine solche aufzubauen.

Eine persönliche Anekdote: Ich kenne zwei Freunde aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands, die sich in einem Online-Forum eine Weile als Unbekannte ausgetauscht haben, später zusammen in eine WG in Berlin zogen, eine Firma gemeinsam gründeten und eine sehr intensive Freundschaft miteinander haben. Beste Freunde, wie es im Buche steht. Es gibt solche Geschichten, wenn vielleicht auch nicht viele.

Die 1173 Facebook-Freunde, die Max Mustermann möglicherweise hat, sind meistens keine Freunde, noch nicht mal Bekannte – vielleicht kann man sie allenfalls Kontakte nennen.

Selbstfreundschaft

Der Mensch, der die meiste Zeit mit Dir im Leben verbringt – bist Du selbst.

Die Freundschaft mit Dir selbst zu pflegen (oder vielleicht endlich zu beginnen), ist deshalb die wichtigste Freundschaft in Deinem Leben – auch, weil jeder anderen Freundschaft mit einem anderen Menschen die Freundschaft mit sich selbst zugrunde liegt.

Der Selbstfreundschaft hat Wilhelm Schmid deshalb ein ganzes Kapitel gewidmet, dass Du weiter unten zusammengefasst findest.

🙌🏼 Was ist Freundschaft

Das Gefühl von Freundschaft

Wie ist das Gefühl von Freundschaft: Man vertraut sich, hat Verständnis füreinander, fühlt miteinander, ist authentisch und kann sich aufeinander verlassen. Man ist dem Freund oder der Freundin wohlgesonnen und geht selbstverständlich auch davon aus, dass der Freund oder die Freundin auch mir wohlgesonnen ist.

Das gegenseitige Wohlwollen ist wohl am meisten das Gefühl von: Ich vertraue dir. Ich mag dich. Ich verbringe gern Zeit mit dir. In der wahren Freundschaft besteht die Beziehung, weil man den anderen als Individuum wahrnimmt und mag.

  • „Es macht mich anhaltend glücklich, einen Menschen zu kennen, der etwas für mich fühlt und ich für ihn, bei dem ich Verständnis finde und er bei mir, bei dem ich Privilegien genieße und er wiederum bei mir.“ – Wilhelm Schmid

Freunde fühlen miteinander. Es ist schön, verbunden zu sein, oder immer wieder diese Verbindung aufzunehmen. Im Grunde genommen ist das auch ein Kern von Freundschaft: Das die Freunde weder bei Glücks- noch bei Unglücksfällen allein sein, oder zumindest das Gefühl haben, im Geist und in der Seele verbunden zu sein.

Mehr zum Gefühl von Freundschaft findest Du in den 10 Arten von Glück der Freundschaft.

Die Struktur der Freundschaft

Freundschaft ist eine Beziehung, in der wenig vorgegeben ist. Es gibt kaum Vorgaben, mit wem man wie eine Freundschaft zu führen hat – vor allem keine verbindlichen Vorgaben. Es gibt keine Rituale, wie eine Freundschaft zu beginnen oder zu beenden ist.

Die Freundschaft ist eine menschliche Beziehung, die frei miteinander gewählt ist.

Freundschaft ist nicht exklusiv (anders als die meisten Paarbeziehungen). Die meisten Menschen haben mehrere Freunde. Es herrscht kein Anspruch, dass man keine weiteren Freundschaften pflegen darf. Manche Freundschaften sind eng, manche eher locker. So sind manche Freundschaften geprägt von viel Nähe und Zeit miteinander, und manche von großer Distanz und trotzdem großer Zugeneigtheit.

Viele Beziehungen des Alltags haben eine funktionalen Charakter: Arbeitskolleginnen und ‑kollegen, beim Arzt, Lehrerinnen und Schüler, an der Kasse. Auch die Ehe hat oft bestimmte Funktionen zu erfüllen – und sei es das zuverlässige Großziehen der Kinder.

Doch die Freundschaft, die ist meist frei von solch funktionalen Verpflichtungen.

Die Freundschaft ist nicht funktional, sondern kann vollständig emotional sein und aus reiner Zuneigung bestehen.

Freundschaft, Geschlecht und Sex

Sex miteinander spielt in den meisten Freundschaften keine Rolle.

Viele Freundschaften heterosexueller Menschen sind gleichgeschlechtlich. Schmid sieht zwei Gründe:

  • Zum einen schließt sich das Thema Sex miteinander aus, was die Freundschaft um eine Komplikation vereinfacht.
  • Zum anderen müssen die Freunde sich die Unterschiede im Denken, Fühlen und am Körper nicht immer wieder neu erklären. Es ist leichter, sich mit Geschlechtsgenossen über geschlechtstypische Probleme, Rollenverständnisse und das eigene Sein auszutauschen.

Gleichzeitig sieht Wilhelm Schmid in Lust- und Nutzenfreundschaften viele Möglichkeiten für Freundschaften unterschiedlichen Geschlechts.

🏹 Wie kommt Freundschaft zustande

Die Wahl des Freundes kann eine aktive Wahl sein, indem einer auf den anderen willentlich zugeht und bewusst Schritte unternimmt, dass eine Freundschaft sich entwickeln kann. Das kann durchaus beidseitig sein.

Das Zustandekommen der Freundschaft kann aber auch passiv sein: „Es“ geschieht einfach so. Bewusste und unbewusste Emotionen, Entscheidungen und Handlungen können dabei beteiligt sein. Auf jeden Fall scheint es eine Attraktivität und Wohlgefallen am anderen zu geben.

Wilhelm Schmid schreibt: „Die angehenden Freunde reagieren auf die Ausstrahlung des jeweils anderen, sie erscheinen sich wechselseitig interessant, sympathisch, vertrauenswürdig, liebenswert, bewundernswert, so dass der Wunsch aufkommt sich näher kennenzulernen. Das Entstehen des Wohlgefallens kann eine Sache von Sekundenbruchteilen oder aber der Abschluss eines langen Prozesses sein, an dessen Anfang möglicherweise Gleichgültigkeit oder gar Abneigung vorherrschten.

Oft haben Freunde viele Ähnlichkeiten, gleiche Interessen und Erfahrungen. Es gilt noch immer das Sprichwort: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

Gleichzeitig erkennt Wilhelm Schmid, dass auch Kräfte des Ungleichen wirken: ungleiche Interessen und Unterschiede sind attraktiv – denn auch „Gegensätze ziehen sich an“.

Auf jeden Fall beobachtet Wilhelm Schmid, dass die Freundschaft auf Wechselseitigkeit beruht. Zwei Menschen wollen Freundschaft miteinander haben.

🌞 10 Arten von Glück in der Freundschaft

1. Das bloße Dasein des Freundes oder der Freundin

Zu wissen und zu spüren, dass man nicht allein ist, sondern dass es jemanden auf dieser Welt gibt, der „mich im Blick hat“ – ist schon eine der schönsten Eigenschaften der Freundschaft. Es gibt jemanden, der „fragt, wie es mir geht, wo ich bin und was ich mache“, und den das wirklich interessiert.

Jemand ist emotional mit mir verbunden, und ist „seelisch-geistig bei mir, auch wenn er körperlich abwesend ist.“ Und zu wissen, dass da jemand ist, bei dem ich jederzeit willkommen bin. Ist das nicht schön?

2. Schöne Erfahrungen miteinander

Mit guten Freunden fühlt man sich wohl. Wilhelm Schmidt nutzt das schöne Wort „Wohlfühlglück“ – beim Reisen, beim Café, im Gespräch, vielleicht auch beim Trinkgelage, beim gemeinsamen Arbeiten oder beim Frühstück.

In glücklichen Zeiten schwingt man einfach miteinander. Die Zeit vergeht in Glückseligkeit. Man darf einfach sein, miteinander sein. Der „Ewigkeitsmoment“ – ein weiteres schönes Wort, mit welchen Wilhelm Schmid solche Momente beschreibt.

Angst vor der Vergänglichkeit? Nein! 🙂 – Denn die Freunde wissen, oft unbewusst, dass sie solche Momente immer wieder miteinander haben werden.

3. Das intensive Gefühl füreinander

Kennst Du das: Du hast einen Freund oder eine Freundin lange nicht gesehen. Und trotzdem: Sofort habt ihr dieses vertraute Gefühl wieder miteinander. Als ob keine Zeit dazwischen lag.

Es ist ein Gefühl, dem anderen Vertrauen zu können, ihn zu kennen und ihr wohlgesonnen zu sein.

Gleichtzeitig hast Du das Gefühl, dass die andere Person dich ebenso mag und dir vertraut.

Ein Gefühl von Glück, Entspanntheit und Freude kommt auf, wenn man sich trifft. Das Gefühl entsteht schon, wenn man nur an den Freund oder die Freundin denkt.

Die Freunde kennen sich, auch in ihren Schwächen und unangenehmen Seiten. Sie dürfen so sein, und sind trotzdem Freunde.

Aufgrund vieler Erfahrungen miteinander entwickeln die Freunde ein „Gespür füreinander, das jeden im Laufe der Zeit ziemlich genau wissen lässt, was der jeweils andere mag und wogegen er Abneigung hegt, was ihm guttut und was eher nicht, was er gut kann und was ihn überfordert. Ist das Gespür wechselseitig, wird die Freundschaft mit der Zeit intensiver.“

Man weiß, was man mit dem Freund oder der Freundin anstellen kann. Man kann ihr viel näher sein, als den meisten Menschen, und lässt selbst viel mehr Nähe zu.

4. Das ständige Gespräch miteinander

Das meint das reale Gespräch, in dem die Freunde und Freundinnen sich mitteilen oder gemeinsam über die Welt nachdenken.

Das meint aber auch das imaginäre Gespräch, in dem man den Freund oder die Freundin um Meinung fragt, obwohl sie oder er nicht da ist. Von den Milliarden Menschen auf der Welt denkst man gerade an sie oder ihn: Was würde er dazu wohl sagen?

5. Die gemeinsamen Deutungen

Der Austausch mit guten Freunden hilft, Orientierung in dieser Welt zu finden: Was ist passiert, und vor allem, was hat das zu bedeuten?

Welche Bedeutung messen wir den Geschehnissen auf der Welt und den Geschehnissen des eigenen Lebens zu. Was davon ist wichtig? Was kann weg? Was kann ich tun, um etwas zu vermeiden, zu erlangen oder um mich wohler zu fühlen.

Die gemeinsamen Deutungen gehen bis zu den ganz großen Fragen: Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Glück?

Der Dialog mit Freunden gibt Stabilität und Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Lebens.

6. Freimütigkeit der Freunde

Gute Freunde können über alles reden. Der Umgang mit anderen Menschen mag häufiger sein (bspw. Arbeitskollegen), doch der Umgang mit dem besten Freund oder der besten Freundin ist offener, ehrlicher und vertrauter.

Wilhelm Schmid sagt: „Es ist von unschätzbarem Wert, mit einem Menschen alles, auch Heikles und Intimes, besprechen zu können, und manchmal genügt ein vielsagendes Schweigen.

In dieser Vertrautheit kann man auch nach gemeinsamen Deutung von Geschehnissen zu fragen, die man eigentlich mit niemanden teilen möchte, außer vielleicht dem besten Freund oder der besten Freundin.

Das Gespräch selbst kann schon entlasten.

Auch Ängste und komische Gefühle können mit dem Freund oder der Freundin besprochen werden – und sich dadurch vielleicht schon lösen, weil sie nicht mehr verdrängt oder mit sich selbst ausgemacht werden müssen.

Führungskräfte oder Menschen der Öffentlichkeit schätzen es, wenn sie mit einem vertrauten Freund freimütige Gespräche führen können.

7. Der Blick des Freundes von außen auf mich

Der Freund oder die Freundin kennt mich oft besser als andere Menschen. Sie darf freimütig sagen, was sie über mich denkt.

Vor allem, weil gute Freunde darin vertrauen haben können, dass der andere auf jeden Fall im Wohlwollen mit mir handelt – und es kein Angriff ist, sondern Unterstützung.

Der Freund kennt mich schon länger, und kann aktuelle Gedanken gut in die Lebensspanne einordnen. Anschlussfähig kann er Gedanken zur Unterhaltung beisteuern, und mit Überlegungen aus der Vergangenheit verknüpfen.

8. Die gesamte Fülle des Lebens

Die gesamte Fülle der Freundschaft besteht aus schönen Zeiten, die die Freunde miteinander genießen, und aus weniger schönen Zeiten, in denen sie sich beistehen.

Gerade in den schwierigen Zeiten, in denen einer dem anderen vielleicht über eine längere Strecke beistehen muss, sind eine Prüfung für den Zusammenhalt.

Freundschaft besteht also aus vielen schöne Momenten, und auch aus schwierigen Momenten.

Das Schöne in der Freundschaft: „Auch eine Dummheit gemacht zu haben, ist unter Freunden kein Anlass für Vorwürfe, eher einer für Amüsement.

Mit Freunden lebt man nicht nur das eine eigene Leben, sondern mehrere, weil man das Leben des anderen auf vielfältige Weise mitgelebt hat, und der Freund oder die Freundin am eigenen Leben teilgenommen hat.

9. Gemeinsam auch unglücklich sein können

Freunde können füreinander da sein, wenn „das Glück aussetzt und ein Unglücklichsein oder ein Unglück zu bewältigen ist.“

Eine Studie – nicht im Buch erwähnt – hat gezeigt, dass allein die Anwesenheit eines Freundes dazu führt, dass Testpersonen einen Berg als weniger steil einschätzen. Kann auch ein Unglück weniger steilt erscheinen, wenn man es mit Freunden bewältigt?

Ein Freund kann auch das Talent haben, von der Fokussierung auf den Schmerz abzulenken und damit Ursache der positiven Veränderung zu sein. Oder die Freundin hilft das Unglück zu begrenzen und weiter Sinn im Leben zu finden.

10. Ein Leben über sich selbst hinaus

Ein Leben mit Freunden „wird vielfältiger, spannender und schöner, denn gemeinsam verfügen Freunde über weit mehr Möglichkeiten als einer für sich allein“. Freunde können sich ermutigen, die Ideen zu verwirklichen, die sie ohne den Rückhalt der Freunde sich nicht wagen würden.

Die Zuneigung der Freunde kann „über den Tod hinaus bestehen bleiben, schon weil der, der länger lebt, das Andenken an den anderen bewahrt.“ Der Freund lebt nicht nur während des Lebens im Geiste mit, sondern auch darüber hinaus.

⚡ Streit, Nähe, Abstand, Ende oder Pause

Bevor Wilhelm Schmid zu den 10 Problemen kommt, spricht er über Streit in der Freundschaft. Eine große Ursache für Streit sieht er nicht in tatsächlichen Meinungsverschiedenheiten, sondern dass es eigentlich ein Bedürfnis nach Abstand gibt.

Das Bedürfnis nach Abstand oder Nähe

Die Meinungsverschiedenheit, die zum Streit gemacht wird, sorgt dann für den nötigen Abstand.

Denn: Würde der Freund gerade mehr Nähe zum Freund suchen, könnte er über die Meinungsverschiedenheit oder die Irritation wohl hinwegsehen.

Entscheidend ist deshalb die Bedeutung, die Irritationen oder Verschiedenheiten zugemessen wird: Eine kleine Bedeutung, wenn die Nähe gesucht wird, oder eine große Bedeutung, wenn der oder die Freunde Abstand suchen.

Freundschaften müssen kein Ende kennen

Wilhelm Schmid meint, dass wenn eine Freundschaft endet, sie nicht aufgekündigt werden musst.

Viele Paarbeziehungen, die beendet werden, haben oft ein definiertes Ende, einen großen Streit, Abschlussgespräche und eine definierte Auflösung.

Freundschaften haben das oft nicht nötig, weil viele Freundschaften ohnehin mit mehr Abstand und ohne täglichen Kontakt geführt werden.

Freundschaften können einschlafen oder pausieren – und später, bei einem Verlangen nach Nähe, wieder reaktiviert werden. Entweder, weil sich einer der Freunde aktiv meldet oder der Zufall die beiden zusammenführt.

Freundschaften lassen sich vor allem dann reaktivieren, „wenn einer auf den Anderen zugeht [und] ihm deutlich und nachhaltig Interesse und Wohlwollen bekundet.“

⛓ Von Problemen der Freundschaft

Die folgenden 10 Probleme sieht Wilhelm Schmid in einer Freundschaft, denen man große oder kleine Bedeutung beimessen kann.

1. Mangel an Aufmerksamkeit

Schmid sieht zwei Mängel an Aufmerksamkeit: Zum einen die Initiative bei der Pflege der Beziehung, und zum anderen, wer wann welche Information bekommt.

Bei der Pflege der Beziehung vertrauen viele Freundschaften darauf, dass die Initiative mal von dem einen, mal von dem anderen kommt – ohne darüber Buch zu führen. Lässt die Initiative eines Freundes nach und nur einer geht auf den anderen zu, kann das zu Verstimmung führen.

Auf der anderen Seite meint Schmid, gibt es Freundschaften, die so einseitig geführt werden und sich für die Beteiligten genau richtig anfühlen.

Freunde erzählen sich alles. Es könnte deshalb zu Verstimmung führen, wenn jemand öfter über andere Personen wesentliche Informationen über den Freund oder die Freundin erfährt – und sich wundert: Vertrauen oder kennen wir uns nicht mehr?

2. Kritik am Freund

Ja, Freunde können freimütig sein und ungefiltert ihren Blick von außen auf den Freund mitteilen. Der Raum für Kritik ist gerade in der Freundschaft stets gehüllt in die Decke des Wohlwollens.

„Kritik zu üben fällt leichter, wenn der, dem sie gilt, kein Problem damit hat, sie anzunehmen.“, sagt Schmid.

Dafür kann der Kritisierte selbst sorgen, in dem er an seinen Triggern und Empfindlichkeiten arbeitet. Gleichzeitig kann der Freund „gerade im Moment der Kritik keinen Zweifel am prinzipiellen Wohlwollen aufkommen lassen.“

Denn eigentlich können Freunde aufgrund der besonderen Kenntnis voneinander sich besonders förderlich kritisieren und sich gegenseitig zu einem besseren Leben anspornen.

Wenn die Kritik nicht in diesem Wohlwollen geäußert wird, eine empfindliche Stelle trifft oder zu einer andauernden Nörgelei oder Meinungsverschiedenheit wird – dann kann die Kritik zum Problem für die Freundschaft werden.

3. Probleme wachsen mit wachsenden Unterschieden

Freunde sind in der Regel gleich.

Wachsende Unterschiede in „Eigenschaften, Haltungen, Lebensstilen, Sichtweisen, Meinungen und Urteilen“ können dazu führen, dass es zu Unstimmigkeiten in der Freundschaft kommt, vor allem wenn die Unterschiede über die jeweilige Toleranz des Freundes hinauswächst.

Unstimmigkeiten müssen nicht zum Ende der Freundschaft führen, etwas Abstand miteinander kann auch eine Lösung sein.

Ich ergänze, dass man diese Unstimmigkeiten auch besprechen kann und sie vielleicht dadurch löst oder Verständnis für die Position des anderen entwickelt – und sich wieder annähert und wieder gleicher wird.

4. Wachsende Ungleichheiten

Freunde sind oft gleich. Ebenso wie Unterschiede können deshalb auch Ungleichheiten zu Spannung in der Freundschaft führen: Bildung, Besitz oder soziale Zugehörigkeiten.

Wilhelm Schmid: „Eilt einer von Erfolg zu Erfolg, hat der andere nicht unbedingt immer Freude am Freund, dem er nur noch applaudieren kann und der ihn, ohne es zu wollen, an fehlende eigene Erfolge erinnert.“

Es braucht dann schon eine gewachsene Persönlichkeit, um dem Freund den Erfolg zu gönnen und gleichzeitig den eigenen, weniger großen Erfolg trotzdem zu mögen – denn: „Neid stellt sich vorzugsweise dort ein, wo Unzufriedenheit mit den eigenen Verhältnissen vorherrscht.“

Einen Anflug von Neid kann man vielleicht in Bewunderung transformieren. So sagt Wilhelm Schmid: „Ich kann dem Freund von Herzen gönnen, worum ich ihn beneide.“

Trotzdem kann der erfolgreiche Freund Rücksicht nehmen, nicht prahlen, und darüber hinaus anderen unterstützen und wertschätzen.

5. Überspannung der Freundschaft

Überspannung der Freundschaft kann in zwei Richtungen geschehen: zu große Wohltaten oder zu große Belastungen.

Zu große Wohltaten des einen Freundes können zur gefühlten Last und Verpflichtung des anderen Freundes führen, obwohl es vielleicht nicht so gedacht ist.

Zu große Belastungen können sein, dass ein Freund oder eine Freundin zu oft unterstützen muss, oder stets als emotionaler „Schuttabladeplatz“ dienen muss.

6. Die Geldfrage

„Beim Geld da hört die Freundschaft auf“, sagt ein Sprichwort. Ich bin kein Fan von solchen Glaubenssätzen, vielleicht fängt sie dort erst an. Doch, es geht hier um die Erkenntnisse von Wilhelm Schmid.

Bei Schmid unterstützt eine Freund den anderen mit Geld. Warum auch nicht, Freunde halten zusammen und unterstützen sich. Die Gefahr ist, dass der Empfänger es allzu nachlässig nimmt und sich auf die dauerhafte Unterstützung des Freundes verlässt.

Schmid kommt zu dem Schluss: „Die Freundschaft, die lange währen soll, bleibt von Geldfragen besser frei.“

7. Die Sexfrage

Hier geht es weniger um den Sex zwischen den Freunden oder Freundinnen, eher geht es um Sex mit Dritten und um Unterschiede in der Attraktivität.

Das Unterschiede zu Spannungen in der Freundschaft führen können, hatten wir schon. Bei der Sexfrage ist es ebenso, „denn sexuelle Anziehungskraft ist eine Eigenschaft, die einem Menschen Zugang zu interessanten und intensiven Erfahrungen verschafft.“

Durchaus ein Feld für Neid, Gefühle von Erfolglosigkeit oder Rivalität.

Ebenso können Freunde oder Freundinnen um die gleichen Sexualpartner konkurrieren. Freunde sollten da eine Regelung finden, und eine könnte sein: „Nicht um die dieselben Ressourcen konkurrieren.“

8. Die Machtfrage

“Macht” in dem Sinne, dass der eine Einfluss auf den anderen hat. Natürlich nehmen Freunde Einfluss aufeinander, mithin räumt man dem Freund oder der Freundin besondere Privilegien des Einflusses ein. Jedoch geht man davon aus, dass dies generell auf Augenhöhe und Wechselseitigkeit beruht.

Zu Problemen kann es führen, wenn der Einfluss einseitig ist und vor allem ungewollt passiert. Oder wenn der Freund dem Freunde einem Pistole auf die Brust drückt: Wenn Du xy tust oder nicht tust, dann beende ich die Freundschaft!

9. Die Loyalitätsfrage

Loyalität ist die Frage nach der Treue und der Untreue in Freundschaften, und hat vielleicht zwei Facetten.

Erstens: Wie weit soll der Freund dem Freund beistehen, auch wenn er vielleicht anderer Meinung ist und den Freund gar im Unrecht wähnt?

Und zweitens: Besteht eine Freundschaft bspw. zu einen Paar, welches sich trennt, vielleicht gar im Streit – mit welchem Partner bleibt der Freund treu, oder hält er die Spannung aus, mit beiden die Freundschaft zu pflegen? Ebenso könnten sich gemeinsame Freunde des Freundes streiten und die Frage der Positionierung stellen.

10. Virtuelle Freundschaft

Hier geht es nicht um wirkliche Freundschaft, sondern das alltägliche Zwitschern im Onlinewald.

Ja, auch solche Beziehungen können sich dahin entwickeln, dass sie zu echten Freundschaften werden.

Wilhelm Schmid fragt jedoch zurecht: „Ist Freundschaft für mich mehr als der momentane Nutzen, mich nicht allein fühlen zu müssen, mehr als die momentane Lust, jederzeit mit allen in Verbindung zu treten zu können?“ – habe ich eine wirkliche Verbindung zur anderen Person oder ist der flüchtige Kontakt eigentlich eine Ablenkung von den wahren Herausforderungen des Lebens?

🦔 Selbstfreundschaft

Im letzten Kapitel schreibt Wilhelm Schmid von der Freundschaft zu sich selbst. Denn: „Jeder Freundschaft (…) liegt die Freundschaft mit sich selbst zugrunde.“

Eine Hypothese von Schmid ist: „Wer mit sich im Reinen ist und sich selbst mag, der kann auch andere mögen und für sie da sein.“

Und überhaupt: Der Mensch, mit dem man die meiste Zeit im Leben verbringt, ist man selbst. Deshalb sollte man diese Selbstfreundschaft besonders pflegen.

Das Selbst der Selbstfreundschaft unterteilt Schmid in drei Komponenten: den Körper, die Seele (die Gefühle) und den Geist (die Gedanken).

Selbstfreundschaft als Grundlage guter Freundschaften

Selbstfreundschaft heißt: Sich selbst mögen.

Mit sich eins sein, sich mögen, nicht jemand anderes sein wollen, sondern wirklich sich selbst sein können und wollen – mit den eigenen Stärken und den vermeintlichen Schwächen. Die Steigerung der Selbstfreundschaft wäre die Selbstliebe.

Die Bibel sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Für eine große Liebe zum Nächsten, braucht es eine große Liebe zu sich selbst.

Schmid meint: „Wer sich selbst […] liebt, ist zu freien Beziehungen zu anderen in der Lage und bedarf ihrer nicht bloß als Mittel der Selbstfindung und Bedürfnisbefriedigung. Die Beziehungen zu Anderen gewinnen im selben Maße an Reichtum, in dem sie vom unmittelbaren Eigeninteresse des Selbst frei sind.“

Selbstlose Freundschaft sind also vor allem dann möglich, wenn man mit sich selbst im Reinen ist – sich selbst ein guter Freund ist.

Und das Interessante ist: Die Selbstlosigkeit in der Freundschaft kommt einem am Ende wieder Selbst zugute – in Form vom guten Beziehungen, guten Freundschaften und einem angenehmen Leben mit anderen.

Wilhelm Schmid beschreibt den Weg zur Selbstfreundschaft über die Selbstaufmerksamkeit und eine Selbstdefinition.

Selbstaufmerksamkeit

Manche würden Selbstaufmerksamkeit mit Selbstachtsamkeit beschreiben:

  • Was braucht mein Körper mit seinen Bedürfnissen und Begierden?
  • Was braucht meine Seele mit ihren bewussten und unbewussten Gefühlen?
  • Was braucht mein Geist mit seinen Ideen und Gedanken.

Oder kurz: Wie geht es mir gerade? Was brauche ich? Was möchte ich? Wie stehe ich in diesem Moment in der Welt da und wo will ich hin? Welche Bedeutung gebe ich dem, was gerade geschieht? Habe ich gerade Angst oder habe ich Mut?

Mit der Zeit lernt man sich über die Selbstaufmerksamkeit immer besser selbst kennen – und gelangt zu mehr Selbsterkenntnis.

Selbstdefinition & Kernselbst

Die Freiheit der heutigen Welt lässt unendliche Möglichkeiten zu: wer ich bin und wer ich sein möchte. Das betrifft: Beruf, Wohnort, Freunde und auch wie ich mich fühle.

Aus diesen Möglichkeiten zu wählen ist der Luxus unserer Zeit. Die meisten Menschen haben den Reichtum, dass sie ihr Selbst gestalten und formen können. Freunde, oder auch ein Coach, können dabei helfen.

Wie sagt Wilhelm Schmid zum Anfang seines Buches: Im Dorf ist jeder mit jedem irgendwie befreundet, zumindest in Beziehung miteinander. In der Stadt muss man sich seine Freunde selbst suchen.

Ebenso ist es mit der eigenen Identität – dem eigenen Kernselbst. In der alten Zeit war es aufgrund von Unwissen und Ressourcen mehr oder weniger vorgeben, heute steht den meisten die Welt offen.

Wilhelm Schmid bietet 7 Eckpunkte, um ein Kernselbst für sich zu bestimmen:

  1. Was sind meine wichtigsten Beziehungen der Liebe und der Freundschaft (und wie will ich diese Beziehungen gestalten)?
  2. Was sind die wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben, die fester Bestandteil meiner selbst bleiben sollen?
  3. Was ist mein Traum, dem ich im Leben folgen will? Was sind meine Lebensziele?
  4. Was sind die bestimmten Werte, die ich hochhalten will, an deren Realisierung ich aber auch selbst arbeite?
  5. Welche Gewohnheiten [und Charakterzüge] will ich sorgsam pflegen, mit denen ich mein Leben gestalte?
  6. Was sind meine Ängste, Verletzungen und Traumata – und wie gehe ich mit ihnen um?
  7. Was ist das Schöne, an dem ich mein Leben orientieren kann? Was sind die schönen Momente, die ich haben möchte?

Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Genau diese 7 Fragen kann man auch für eine Freundschaft stellen.

Die Geschichte des Selbst

Welche Geschichte erzähle ich mir über mich selbst? Das ist die Frage, mit der ich mich auch gerade sehr stark beschäftige, deswegen schreibe ich jetzt mehr unter meinem Wissenstand und weniger in Anlehnung an Wilhelm Schmid.

Erzähle ich mir die Geschichte, dass ich reich bin? Oder das ich arm bin?

In meinem konkreten Falle heißt das:

  • Erzähle ich mir die Geschichte des schüchternen Jungen, der auch immer so bleiben wird.
  • Erzähle ich mir die Geschichte des schüchternen Jungen, der jeden Tag mutiger wurde und immernoch wird – der aus dem Manko der Schüchternheit mittlerweile eine Kraft für sich selbst entwickelt hat, dass er heute viel mutiger ist als vielleicht der Durchschnitt der Bevölkerung. Es war gut, dass ich daran arbeiten musste, mutiger zu werden, weil diese Arbeit zur Gewohnheit wurde – und immernoch Gewohnheit ist.
  • Oder: Erzähle ich mir die Geschichte des schüchternen Jungen, der eigentlich schon immer mutig war, und es jeden Tag zunehmend mehr entdeckt.

Das ist etwas, das ich vom NLP und dem Konstruktivismus kenne: Das Gehirn kann kaum zwischen Erinnerung und Erfindung unterscheiden. Es dichtet stets dazu, lässt weg oder deutet um. Das Gehirn erfindet quasi jeden Tag die eigene Vergangenheit ein bisschen anders.

Wenn dem so ist: Warum soll ich diese Art der Neuerfindung jeden Tag nicht zu meinem Vorteil nutzen – und mir selbst eine Geschichte über mich erzählen, in der ich mich mag und mehr selbst liebe. Und damit mehr und mehr das Leben führe, dass ich gern führen möchte.

Das heißt nicht unbedingt, unliebsames zu verdrängen. Das gern aufgearbeitet werden. Und vielleicht erwächst aus dieser Aufarbeitung eine Stärke, die andere, die das nicht aufarbeiten mussten, eben nicht haben können. Beispielsweise eine Webseite über Freundschaft erschaffen 😉.

✒ Zitate

  • „In einer vormodernen dörflichen Welt ließ es sich kaum vermeiden, mit allen mehr oder wenige befreundet zu sein. In einer modernen städtischen Welt hingegen muss nach Freunde gesucht werden wie nach seltenen Pflanzen.“ – Wilhelm Schmid
  • „Welch Freude, wenn unter den vielen Gesichtern, denen wir täglich begegnen, eines aus der Anonymität hervortritt: Ein Bekannter, ein Freund.“ – Wilhelm Schmid
  • „Es macht mich anhaltend glücklich, einen Menschen zu kennen, der etwas für mich fühlt und ich für ihn, bei dem ich Verständnis finde und er bei mir, bei dem ich Privilegien genieße und er wiederum bei mir.“ – Wilhelm Schmid
  • „Auch wenn ich nicht mit meinem Freund zusammen bin, höre ich seine Stimme in mir.“ – Wilhelm Schmid
  • „Mit anderen mag der Umgang häufiger sein, mit dem wahren Freund aber ist er aufrichtiger, im Vertrauen darauf, dass die Beziehung nicht daran zerbricht.“ – Wilhelm Schmid
  • „Glück ist, zum Freund flüchten zu können, wenn etwas im Leben missglückt ist.“ – Wilhelm Schmid
  • „Eine Dummheit gemacht zu haben, ist unter Freunden kein Anlass für Vorwürfe, eher einer für Amüsement.“ – Wilhelm Schmid
  • „Es ist von unschätzbarem Wert, mit einem Menschen alles, auch Heikles und Intimes, besprechen zu können, und manchmal genügt ein vielsagendes Schweigen.“ – Wilhelm Schmid
  • „Jeder Freundschaft (…) liegt die Freundschaft mit sich selbst zugrunde.“ – Wilhelm Schmid
  • „Jedermann kann am Leid des Freundes Anteil nehmen, aber es verlangt schon einen sehr edlen Charakter, (…) am Erfolg eines Freundes Anteil zu nehmen.“ Oscar Wilde

💯 So funktionieren gute Freundschaften

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Kleines Buch über Freundschaft: Die 6 Zutaten großartiger Freundschaften (als eBook)

Die 6 Zutaten großartiger Freundschaften

Freunde sind wichtig. Deshalb habe ich dieses kostenlose eBook geschrieben. Viele Menschen möchten ihre Freundschaften verbessern oder die richtigen Freunde zu finden. Erzieher, Lehrer und Eltern helfen ihren Kindern, gute Freundschaften zu schließen. Manche wollen ihre Eltern vor Alterseinsamkeit schützen.

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Von |2024-05-16T13:30:38+01:0013. Mai 2024|Bücher über Freundschaft, Startseite|0 Kommentare

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